Ein Modellbus aus dem Reich der Mitte mit Anleihen aus Ulm… Foto: Schreiber
Eine schmucke kleine TopClass, oder? Das markante Gesicht mit tiefschwarzer Frontplatte mit integrierter Markenplakette und glänzenden Chromleisten an der Front. Moderne Voll-LED-Scheinwerfer kombiniert mit schlanken, lang gestreckten LED-Blinkern und einem markanten Tagfahrlicht-Lichtleiter. Und die legendäre „La Linea“, die typische, schwungvolle Aluminium-C-Säule an der Seite (oft zweigeteilt eloxiert und poliert) sorgt für eine dynamische und tiefere optische Wirkung. Moment, die fehlt doch…
Und auch der Name SETRA ist nicht zu sehen, sondern absichtlich SFTRA. Kein einmaliger Druckfehler, sondern gewollt, wie alle Farbvarianten des Modellbusses aus chinesischer Produktion belegen. Man muss schon ganz genau hinsehen: Der Modellbus folgt durchaus detailverliebt dem großen Vorbild. Aber SFTRA statt SETRA? Liegt es an Marken- und Urheberrechten, oder hat da im Reich der Mitte jemand nicht genau hingesehen? Für schmales Geld ist an Autobahnraststätten (unauffällig zu 12 Stück in einem Karton) eine fast gelungene Miniatur der Ulmer TopClass zu bekommen.
optisch folgt der Modellbus dem S 517 HDH, wie die Seitengravur mit gelungenen Positiv- und Negativgravuren zeigt. Nur die „La Linea“ fehlt, stattdessen könnte man mit gutem Willen eine Linie des Tourismo von Mercedes-Benz erkennen. Der damalige Setra-Designer Wolfgang Papke gestaltete mit seinem Team eine mehr als stimmige Linie und ausgewogene Proportionen, die an der Seite angebrachte Silberleiste schmeichelte von Anfang an dem Auge des Betrachters. Formschön in der Mitte die gläserne Verbindung der beiden Fensterbänder – pure Eleganz auf höchstem Niveau.
Und die mehr oder weniger kleine Hommage aus China? Sie folgt den schon bekannten Modellbussen (u.a. haben sich AWM, Buxbaum, Mohaupt, Rietze und Siku den Ulmer Vorbildern angenommen) und setzt auf eine Kombination aus Kunststoff und Metall. Die Karosserie bis zur unteren Kante des oberen Fensterbandes ist aus Metall, der Rest sind Bauteile, die in Kunststoff abgespritzt wurden. Die Inneneinrichtung ist stimmig. Mit 234 Millimetern ist der Chinese maßstäblich bei 1/60 anzusiedeln. Proswon, so der gravierte Name des Herstellers auf der Bodenplatte, hat sich Mühe gegeben.
Auch wenn die Türen als komplett geschlossene Bauteile aus lackiertem Metall ausgeführt sind, was optisch unbefriedigend ist, aber mit Blick auf die Funktion und Haltbarkeit eines Kinderspielzeugs eine nachvollziehbare Lösung, überzeugt nicht zuletzt das TopSky Panorama-Glasdach. Die Zielgruppe von Proswon sind Kinder, keine Frage: Eine bunte Beleuchtung des Innenraumes samt beleuchteter Scheinwerfer und Rücklichter sowie der Friktionsmotor macht in dieser Zusammenstellung wohl eher Kinder als Modellbus-Sammler glücklich.
Und den kleinen Bus-Fans missfällt sicherlich auch das Geräusch eines beschleunigenden Formel 1-Renwagens des eingebauten Soundmoduls nicht… Ganz stolz scheint der Hersteller auf die Miniatur zu sein, denn wer genau hinsieht, erkennt, dass am Heck in der Setra-Plakette nicht der Name der Ulmer steht, sondern Proswon. Und ja, auch die Plakette übernimmt nicht die Form des Originals, sondern kommt schlichter, trapezförmiger daher. Etwas im wahrsten Sinne Spannendes findet sich unter der Motorhaube, dazu mehr in einer der nächsten Meldungen! (omnibus.news/Sr)
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