IAA: Foton eAurora

Foton bietet einen Elektrobus an, der die optische Nähe zum eKent von Otokar nicht verleugnen kann. Foto: Schreiber

Der eAurora wird zunächst als Solowagen angeboten, ein Gelenkbus soll ab 2028 folgen. Foto: Schreiber

Blick in den Fahrgastraum des eAurora – wandhängende Sitze und ein kleiner Podestberg im Heck. Foto: Schreiber

Der Fahrerarbeitsplatz des eAurora ist mit dem in Wettbewerbsfahrzeugen vergleichbar. Foto: Schreiber

Hinter Foton steht ein chinesischer, staatlich kontrollierter Automobilkonzern aus Peking. Foton wurde 1996 gegründet und ist heute an der Shanghaier Börse unter dem Börsenkürzel 600166 gelistet. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Nutzfahrzeughersteller mit einem breiten Portfolio aus leichten und schweren Lkw, Vans, Pick-ups, Bussen und New-Energy-Fahrzeugen. Der Einstieg in das Busgeschäft erfolgte 2004. Auf der IAA Transportation 2026 stellte der chinesische Nutzfahrzeughersteller unter anderem den Elektrobus eAurora aus.

Der soll, so war am Messestand zu hören, für gut 300.000 Euro zu haben sein – derzeit allerdings nur in Südeuropa und der Türkei. Dafür erhält man einen 12,1m langen, 2,55m breiten und 3,22m hohen Elektrobus mit 5,9m Radsatand für maximal 95 Fahrgäste. Als Gesamtgewicht nennt Foton 21 Tonnen. 497 kWh bietet die Batterie, Foton erklärt, dass man sich für Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LiFePo4) entschieden habe, weil dies eine der sichersten und besten Optionen sei. Diese Batterienart sei besonders langlebig, wartungsfrei und leicht.

Foton hat Europa dabei keineswegs erst jetzt im Blick, sondern ist hier bereits seit längerer Zeit aktiv. Auf der IAA Transportation 2026 präsentierte das Unternehmen seine Europa-Strategie und kündigte an, Vertrieb, Service, Ersatzteilversorgung sowie Produktions- und Lieferkettenstrukturen in Europa weiter auszubauen. In Deutschland wurde 2026 in Unna beispielsweise ein europäisches Ersatzteilzentrum eröffnet. Der Vertrieb in Deutschland erfolgt über Foton Motor Germany / Brock. Brock ist nach eigener Darstellung eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Beiqi Foton Motor und übernimmt Vertrieb und Betreuung der Marke in Deutschland.

Foton hat in der Vergangenheit auch mit Daimler zusammengearbeitet. Das gemeinsame Unternehmen Beijing Foton Daimler Automotive (BFDA) wurde 2012 gegründet und zunächst zu gleichen Teilen von Foton und Daimler gehalten. Daimler brachte Technologie und Know-how ein, unter anderem für Dieselmotoren wie den OM 457 sowie für die Fertigung mittelschwerer und schwerer Lkw in China. Daimler partizipierte dabei unter anderem über Komponentenlieferungen und Lizenzgebühren. Mit dem türkischen Bushersteller Otokar gibt es dagegen keine vergleichbare Verbindung.

Umso auffälliger ist die optische Nähe zwischen dem auf der IAA gezeigten Foton eAurora und dem Otokar e-Kent C. Beim direkten Vergleich einzelner Gestaltungselemente wird die Ähnlichkeit deutlich. Das beginnt bei der Frontscheibe: Beide Fahrzeuge verfügen über eine stark trapezförmige, weit nach unten gezogene Scheibe mit einer sehr ähnlichen Grundform. Hinzu kommt die Frontmaske mit einem schwarzen Mittelband unterhalb der Windschutzscheibe sowie einer großen schwarzen Fläche im unteren Bereich. Auch die Scheinwerfer weisen Gemeinsamkeiten auf.

Bei beiden Bussen finden sich schmale, horizontal beziehungsweise diagonal angeordnete LED-Einheiten, die weit außen in der Front sitzen. Hinzu kommt ein geometrisch gestalteter Frontstoßfänger. Ähnlichkeiten finden sich außerdem beim Übergang von Front zu Dach. Die markante Dachblende beziehungsweise Dachkante läuft bei beiden Fahrzeugen nach hinten. Auch die seitliche Fensterlinie fällt durch große, zusammenhängende schwarze Glasflächen auf. Die vorderen Radläufe sind bei beiden Bussen vergleichsweise kantig modelliert.

Besonders auffällig ist der Dachaufbau. Die markante seitliche Dachkante beziehungsweise Dachblende des Otokar findet beim Foton ein ähnliches Grundmotiv. Interessant ist dabei weniger ein einzelnes Gestaltungselement als vielmehr dessen Kombination: Windschutzscheibe, schwarze Frontpartie, schräg nach oben laufende Dach- beziehungsweise A-Säulen-Gestaltung und schwarze Seitenverglasung ergeben bei beiden Fahrzeugen einen sehr ähnlichen optischen Gesamteindruck. Gleichzeitig ist der Foton keine 1:1-Kopie des Otokar. Die Front des eAurora ist wesentlich stärker dreidimensional modelliert.

Die Scheinwerfer sitzen in einer anderen Einfassung, auch die untere Frontschürze ist anders gestaltet. Unterschiede gibt es ebenfalls bei der Seitenwand. Beim Foton zieht sich eine ausgeprägte, geschwungene schwarze Dach- und Fensterzone bis weit nach hinten. Der Otokar ist in diesem Bereich vergleichsweise zurückhaltend gestaltet. Interessant ist auch die zeitliche Abfolge: Der Otokar e-Kent C wurde bereits 2019 beim UITP World Congress in Stockholm vorgestellt. Das charakteristische Design des türkischen Elektrobusses war damit bereits öffentlich bekannt, als Foton den eAurora präsentierte.

Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie die auffälligen Parallelen zu erklären sind. Eine belastbare Aussage darüber, ob Foton sich beim Design des eAurora konkret am Otokar orientiert hat, lässt sich allein aus dem äußeren Erscheinungsbild allerdings nicht ableiten. Bemerkenswert ist dennoch, dass nicht nur einzelne Elemente wie Scheinwerfer oder eine schwarze Frontpartie ähnlich erscheinen, sondern mehrere voneinander unabhängige Gestaltungselemente in einer vergleichbaren Weise kombiniert wurden. Das Omnibusportfolio von Foton ist breit aufgestellt und weiterhin stark auf den chinesischen und asiatischen Markt ausgerichtet.

Es reicht von kleinen Stadt- und Shuttlefahrzeugen über Midibusse bis hin zu großen Stadt- und Reisebussen. Einen zunehmenden Schwerpunkt bilden Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Neben batterieelektrischen Bussen gehören auch Wasserstoff- beziehungsweise Brennstoffzellenfahrzeuge zum Programm. Damit deckt Foton inzwischen zahlreiche Einsatzbereiche des öffentlichen und individuellen Personenverkehrs ab. Auf der IAA erklärte Foton zudem, für seine Elektrobusse bereits über die EU-WVTA-Zertifizierung zu verfügen.

Das Unternehmen will europaweit im Segment lokal emissionsfreier Omnibusse expandieren. Zunächst stehen nach Angaben von Foton Italien, Frankreich, Spanien, die Türkei und Polen im Fokus. Deutschland sei ebenfalls ein interessanter Markt. Hier sehe man insbesondere bei Elektrobussen mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis Potenzial. Kommt der eAurora also auch nach Deutschland? Aktuell offenbar nicht. Nach Angaben von Foton konzentriert man sich zunächst auf die Märkte in Südeuropa sowie die Türkei und Polen.

Der eAurora ist damit vorerst vor allem ein Fahrzeug für jene europäischen Märkte, in denen Foton seine Marktpräsenz zunächst aufbauen will. Der Preis, der auf der IAA für den eAurora genannt wurde, zeigt dabei zugleich, mit welcher Positionierung Foton in den europäischen Busmarkt einsteigen möchte: Mit einem Elektrobus, der technisch und hinsichtlich seiner Ausstattung auf europäische Anforderungen zielt, zugleich aber preislich deutlich unter dem Niveau vieler etablierter europäischer Anbieter liegt. Ob daraus ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil werden kann? (Foton/omnibus.news/Sr)

Einen Teil des großen Bus-Portfolios hatte Foton im kleinen Maßstab mit nach Hannover gebracht. Foto: Schreiber

Auch hier ist das große Vorbild gut zu erkennen, oder? Auch bei der Lackierung gibt es Anleihen… Foto: Schreiber

Am Messestand konnten sich Interessierte indivduelle Modellbusse als Bastelbogen gestalten. Foto: Schreiber

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