IAA: Skyworth Robobus

Als L4-Robobus steht das Fahrzeug exemplarisch für die Strategie des chinesischen Herstellers, Elektromobilität und autonomes Fahren in einer gemeinsamen Nutzfahrzeugplattform zusammenzuführen. Foto: Schreiber

Als L4-Robobus steht das Fahrzeug exemplarisch für die Strategie des chinesischen Herstellers, Elektromobilität und autonomes Fahren in einer gemeinsamen Nutzfahrzeugplattform zusammenzuführen. Foto: Schreiber

In Hannover ist kein Lenkrad mehr an Bord, dafür ein Getränkeautomat sowie ein Roboterarm, der die Becher anreicht. Foto: Schreiber

Bis zu zwölf Sitzplätze sind darstellbar, dazu noch sechs Stehplätze. Foto: Schreiber

Der Skyworth Urban Elf ist auf der IAA Transportation 2026 keine Weltpremiere, denn die fand auf der Busworld 2025 statt. Dort stand er aber noch mit einem Lenkrad. In Hannover ist stattdessen ein Getränkeautomat sowie ein Roboterarm, der die Becher anreicht, mit an Bord. Aber Skyworth Auto gibt auf der IAA Transportation 2026 in Hannover sein Debüt. Fünf elektrifizierte Nutzfahrzeuge bringt das Unternehmen zur Messe, darunter den als Weltpremiere gezeigten autonomen Elektro-Lkw Z9, das autonome Elektro-Müllfahrzeug G18, die beiden Transporter HONGTU V9 und HONGTU X.

Und den Urban Elf Robobus. Während der Z9 vor allem für den autonomen Güterverkehr vorgesehen ist, zielt der Urban Elf auf die Personenbeförderung in klar definierten Einsatzgebieten. Als L4-Robobus steht das Fahrzeug exemplarisch für die Strategie des chinesischen Herstellers, Elektromobilität und autonomes Fahren in einer gemeinsamen Nutzfahrzeugplattform zusammenzuführen. Der Urban Elf ist dabei nicht als Konkurrenz zu einem zwölf Meter langen Stadtbus gedacht. Mit seinen kompakten Abmessungen bewegt er sich vielmehr in der Klasse der Midibusse und Shuttlefahrzeuge.

Das Fahrzeug ist 5,44 m lang, hat einen Radstand von 3,68 m und einen minimalen Wendekreis von 6,8 m. Die Niederflurkonstruktion ermöglicht einen Einstieg mit einer ersten Stufe von weniger als 340 Millimetern. Je nach Ausführung können bis zu 18 Fahrgäste befördert werden, maximal zwölf davon sitzend. Damit eignet sich der Urban Elf grundsätzlich für Aufgaben, bei denen ein großer Linienbus überdimensioniert wäre: als Campus-Shuttle, für Hotel- und Flughafentransfers, innerhalb von Gewerbegebieten oder für sogenannte On-Demand-Verkehre.

Auch beim Antrieb setzt Skyworth vollständig auf Elektrifizierung. Für den Urban Elf werden Batterievarianten mit 75 beziehungsweise 89 kWh genannt. Der größere Akku stammt von CATL, die kleinere Batterie von CALB. Je nach Ausführung wird eine Reichweite von rund 402 bis 490 Kilometern angegeben. Der Elektromotor leistet kontinuierlich 60 kW; als Spitzenleistung werden bis zu 180 kW genannt. Das maximale Drehmoment liegt bei 300 Nm. Der eigentliche technische Unterschied zu konventionellen Elektrobussen steckt jedoch nicht im Antrieb, sondern in der Elektronik und Sensorik.

Skyworth hat den Urban Elf für autonomes Fahren nach Level 4 entwickelt. Das Unternehmen spricht dabei von einer eigenen intelligenten Fahrarchitektur, die in verschiedenen autonomen Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen soll. Beim Urban Elf umfasst die Sensorik nach Angaben von Skyworth vier LiDAR-Sensoren, elf HD-Kameras, zwei Millimeterwellenradare sowie ein Dual-GNSS/RTK-System. Damit sollen Umgebungserfassung und hochpräzise Positionierung auch in komplexeren Einsatzsituationen möglich werden.

Die Bezeichnung Level 4 ist dabei entscheidend. Das Fahrzeug soll seine Fahraufgabe innerhalb des vorgesehenen Betriebsbereichs selbstständig übernehmen können. Das unterscheidet den Urban Elf von einem herkömmlichen Elektrobus mit Fahrerassistenzsystemen. Allerdings bedeutet L4 nicht, dass der Bus unter allen Bedingungen und auf beliebigen Straßen fahrerlos eingesetzt werden kann. Entscheidend sind der definierte Einsatzbereich und die jeweiligen rechtlichen Rahmenbedingungen. Interessant ist der Ansatz von Skyworth, die autonome Fahrtechnik nicht ausschließlich für den Urban Elf zu entwickeln.

Nach Angaben des Unternehmens basiert die L4-Technologie auf einer gemeinsamen Architektur mit fünf zentralen Bereichen: multimodale Umfeldwahrnehmung, hochpräzise Lokalisierung, zentrale Recheneinheit, „by-wire“-Fahrzeugsteuerung und intelligente Vernetzung. Diese Architektur soll sowohl beim Z9 als auch beim G18 und Urban Elf eingesetzt werden. Skyworth spricht von Einsätzen in mehr als 50 Städten und bei über 30 Kunden. Damit verfolgt das Unternehmen einen anderen Ansatz als viele klassische Bushersteller.

Autonomes Fahren wird nicht als einzelne Busfunktion verstanden, sondern als konzernübergreifende Technologieplattform für unterschiedliche Nutzfahrzeuge. Skyworth präsentierte die Baureihe Urban Elf als Mini-/Midibus bereits auf der Busworld 2025. Dort stand er neben dem 12 m langen Elektro-Stadtbus NJL6128BEV. Auf der IAA Transportation 2026 bekommt das Fahrzeug nun eine neue Einordnung: Zusammen mit dem Z9 und dem G18 wird der Urban Elf Teil eines L4-Portfolios für autonome Nutzfahrzeuge.

Das ist für den europäischen Markt durchaus bemerkenswert. Denn Skyworth versucht damit nicht lediglich, einen weiteren chinesischen Elektrobus anzubieten. Vielmehr wird der Bus zum Bestandteil eines größeren Konzepts, bei dem Elektroantrieb, autonomes Fahren, Vernetzung und Flottensteuerung zusammen gedacht werden. Skyworth Auto ist die Mobilitätssparte der chinesischen Skyworth-Gruppe. Die Unternehmensgeschichte im Fahrzeugbau reicht dabei deutlich weiter zurück, als der IAA-Auftritt vermuten lässt.

Skyworth Auto beziehungsweise die dahinterstehende Skywell New Energy Vehicle Group gibt mehr als 150.000 ausgelieferte Fahrzeuge in über 45 Ländern und mehr als 100 Städten an. Das Unternehmen nennt zudem 25 Jahre Erfahrung im Busbau und 15 Jahre Erfahrung mit New-Energy-Fahrzeugen. Mit dem Auftritt in Hannover will Skyworth nun stärker in den europäischen Nutzfahrzeugmarkt hinein. Der IAA-Auftritt ist deshalb strategisch breiter angelegt: Neben dem Bus stehen autonome schwere Nutzfahrzeuge, ein autonomes Müllfahrzeug sowie elektrische Transporter auf dem Messestand.

Der Urban Elf könnte dabei eine interessante Rolle spielen. Ein autonomer 12-Meter-Linienbus müsste sich unmittelbar mit den etablierten Angeboten europäischer und chinesischer Bushersteller messen. Ein kompakter Robobus hat andere Einsatzbedingungen. Der Weg vom Messefahrzeug zum regulären Betrieb in Europa sei aber noch mit Homologation, Betriebserlaubnis, Prüfungen der Sicherheitsanforderungen und den jeweiligen nationalen Regelungen für automatisiertes Fahren verbunden, wie Skyworth erklärt.

Skyworth zeigt mit dem Urban Elf deshalb weniger den autonomen Linienbus der unmittelbaren Zukunft als vielmehr einen möglichen Zwischenschritt auf dem Weg zum fahrerlosen Personenverkehr. Und genau darin liegt die eigentliche Botschaft des Fahrzeugs auf der IAA Transportation 2026: Der Elektrobus ist für Skyworth nicht das Ende der Entwicklung. Der Bus soll autonom werden – und der autonome Bus Teil eines vernetzten Ökosystems für den öffentlichen und gewerblichen Verkehr. Das klingt spannend und ein ganz neuer Weg. (Skyworth/omnibus.news/Sr)

Der Beitrag IAA: Skyworth Robobus erschien zuerst auf omnibus.news.

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