Bluebus war mit einem 6m und 12m (s. Foto) Elektrobus in Hannover auf der IAA Transportation 2024 vertreten. Foto: Schreiber
Die französische Bolloré-Gruppe hatte 2002 den ehemaligen ZF- und Valeo-Manager Richard Bouveret zum neuen CEO ihrer Geschäftsbereiche für Batterien und Elektrobusse ernannt. Er blieb bis März 2026. Foto: Schreiber
Die Bolloré-Gruppe will die Produktion von Elektrobussen bei Bluebus dauerhaft einstellen. Die Mitarbeiter des französischen Herstellers wurden am 08.09.2026 über die Pläne informiert. Parallel wird eine mögliche Transaktion mit einem europäischen Industrieunternehmen geprüft, das Teile der Aktivitäten von Bluebus übernehmen könnte. Auch bei Blue Solutions, dem auf Festkörperbatterien spezialisierten Schwesterunternehmen, steht eine Neuordnung an. Bluebus wurde 2011 im bretonischen Ergué-Gabéric gegründet. Ziel war es, einen vollelektrischen Bus in Frankreich zu entwickeln und zu fertigen und zugleich die Alltagstauglichkeit der von der Schwestergesellschaft Blue Solutions entwickelten Festkörper-Lithium-Metall-Polymer-Technologie (LMP) nachzuweisen.
Nach Unternehmensangaben wurden seitdem fast 700 Elektrobusse mit sechs und zwölf Metern Länge für Kunden in Frankreich und anderen europäischen Ländern produziert und in Betrieb genommen. Damit habe Bluebus einen Beitrag zur Elektrifizierung und Dekarbonisierung des öffentlichen Verkehrs geleistet. Wirtschaftlich konnte das Unternehmen jedoch offenbar nicht die notwendige Größenordnung erreichen. Als Gründe nennt Bolloré das langsamer als erwartete Wachstum des französischen Marktes, den intensiven Wettbewerb und den anhaltenden Preisdruck. Nach jahrelanger Prüfung verschiedener strategischer Optionen und Anpassungen des Geschäftsmodells sei man zu dem Schluss gekommen, dass eine wettbewerbsfähige Produktion von Elektrobussen nicht mehr gewährleistet werden könne.
Für die Beschäftigten bedeutet dies einen tiefen Einschnitt. Bluebus hat ein Informations- und Konsultationsverfahren mit den Arbeitnehmervertretungen im Rahmen eines französischen Beschäftigungssicherungsplans (Plan de Sauvegarde de l’Emploi, PSE) eingeleitet. Über einen Zeitraum von drei Jahren könnten davon 74 Arbeitsplätze betroffen sein. Ganz verschwinden soll Bluebus allerdings nicht. Eine deutlich kleinere Organisation soll bestehen bleiben, um bestehende Verpflichtungen zu erfüllen. Dazu gehören insbesondere der Kundendienst und die Betreuung der bereits im Einsatz befindlichen Fahrzeuge. Parallel zeichnet sich eine mögliche Perspektive für einen Teil der Belegschaft ab.
Ein europäisches Industrieunternehmen, das bereits seit Langem im öffentlichen Verkehrssektor tätig ist, prüft die Übernahme der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von Bluebus. Den Arbeitnehmervertretern soll in den kommenden Tagen ein entsprechendes Angebot vorgelegt werden. Nach Angaben von Bolloré könnten dadurch 17 Arbeitsverträge übernommen werden. Die Zahl der bei Bluebus geplanten Stellenstreichungen würde sich entsprechend reduzieren. Ob die Transaktion tatsächlich zustande kommt, ist derzeit noch offen. Nicht nur Bluebus steht vor Veränderungen. Auch Blue Solutions, das die Festkörperbatterietechnologie der vierten Generation (Gen4) entwickelt, will seine Organisation neu aufstellen.
Die Entwicklung der Gen4-Technologie erfolgt vor dem Hintergrund eines zunehmend schwierigen Wettbewerbsumfelds in der europäischen Batterie- und Automobilindustrie. Blue Solutions plant deshalb eine Straffung seiner Organisation. Ziel ist es, die Gen4-Technologie gemeinsam mit einem strategischen Investor bis zur Serienreife zu entwickeln. Auch hier wurde ein Informations- und Konsultationsverfahren mit den Arbeitnehmervertretungen eingeleitet. Von den geplanten Maßnahmen könnten bei Blue Solutions 41 Arbeitsplätze betroffen sein. Nach Abschluss der Informations- und Konsultationsverfahren sollen die erforderlichen Genehmigungen bei den zuständigen Behörden beantragt werden.
Mit dem geplanten Ende der Bluebus-Produktion zieht die Bolloré-Gruppe einen Schlussstrich unter ein mehr als ein Jahrzehnt dauerndes Industrieprojekt. Die nahezu 700 produzierten Elektrobusse zeigen zwar, dass die LMP-Technologie im öffentlichen Verkehr praktisch eingesetzt werden konnte. Für einen wirtschaftlich nachhaltigen Serienbetrieb reichte die erreichte Größenordnung jedoch offenbar nicht aus. Gleichzeitig will Bolloré die Entwicklung der nächsten Generation seiner Festkörperbatterietechnologie fortsetzen. Der Schwerpunkt verschiebt sich damit von der eigenen Fertigung kompletter Elektrobusse hin zur Weiterentwicklung und möglichen Industrialisierung der Gen4-Batterie. (Bolloré/PM/Sr)
Der Beitrag Ende der Bluebus-Ära erschien zuerst auf omnibus.news.
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