Volvo Buses kündigt die Premiere des von MCV auf der batterieelektrischen Bodengruppe der Schweden aufgebauten Doppeldeckers für die ReThink in Hong Kong an. Foto: VolvoBuses
Hongkong ist wahrscheinlich das stärkste Beispiel weltweit. Die Kombination aus extrem hoher Bevölkerungs- und Verkehrsdichte, knapper Straßenfläche und sehr hoher Nachfrage macht den Doppeldecker besonders sinnvoll. Ende 2025 hatte allein KMB 3.815 Doppeldecker bei insgesamt 3.959 Bussen – also rund 96 % der Flotte. Gleichzeitig transportiert das gesamte franchisierte Bussystem Hongkongs Millionen Fahrgäste täglich. Ein moderner 12- bis 12,8-Meter-Doppeldecker in Hongkong kann je nach Ausführung über 140 Fahrgäste aufnehmen.
Für Hongkong ist der Doppeldecker also kein nostalgisches Verkehrsmittel, sondern ein Instrument zur Maximierung der Kapazität pro Straßenmeter. Auch in Singapur spielen Doppeldecker eine wichtige Rolle. Das Busnetz ist eng mit dem MRT-System verzahnt, und Busse übernehmen sowohl Zubringer- als auch Direktverbindungen. Das singapurische Verkehrsministerium nennt Busse einen integralen Bestandteil des täglichen Verkehrs; es werden dort fast 4 Millionen Busfahrten täglich gemacht. Doppeldecker sind dabei auch kulturell sehr präsent – die Fahrt „oben“ gehört für viele zum Alltagserlebnis.
In China ist die Situation anders. Dort dominieren Solobusse und zunehmend Elektrobusse. Doppeldecker kommen vor allem in Metropolen, touristischen Anwendungen, Sightseeing und speziellen Hochkapazitätslinien zum Einsatz. Das bedeutet: Der chinesische Markt ist zwar riesig, aber nicht automatisch ein riesiger Doppeldeckermarkt. Ähnlich ist es in vielen anderen APAC-Ländern. In Städten wie Bangkok, Kuala Lumpur, Jakarta oder Manila können Doppeldecker interessant sein, aber Faktoren wie Brückendurchfahrten, Oberleitungen, Straßenqualität, Haltestelleninfrastruktur und Anschaffungskosten begrenzen ihren Einsatz.
In Australien und besonders in Neuseeland haben Doppeldecker in den letzten Jahren vor allem dort an Bedeutung gewonnen, wo starke Pendlerströme mit begrenzter Straßenkapazität zusammentreffen. Traditionell hatten Doppeldecker Nachteile (höheres Fahrzeuggewicht, höhere Anschaffungskosten, komplexere Karosseriestruktur, Einschränkungen durch Infrastruktur). Mit Elektroantireben kommt aber ein zusätzlicher Faktor hinzu: Ein elektrischer Doppeldecker kann sehr viele Fahrgäste transportieren, ohne dass mehr Fahrer oder zusätzliche Fahrten erforderlich sind.
Hongkong zeigt bereits die Richtung: KMB hatte Ende 2025 45 elektrische Doppeldecker im Bestand und baut die Flotte weiter aus. Damit entsteht eine interessante Kombination: Doppeldecker + Elektroantrieb + hohe Kapazität = sehr attraktives Konzept für extrem dichte asiatische Metropolen. Der APAC-Raum ist für Doppeldecker strategisch wichtiger, als es die reine Stückzahl zunächst vermuten lässt. Hongkong und Singapur zeigen, wie ein Doppeldecker zum festen Bestandteil eines urbanen Verkehrssystems werden kann. (VolvoBuses/omnibus.news/PM/Sr)
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