Volvo Buses lässt die 9700er Baureihe als E-Reisebus bei Carrus Delta (li.) in Finnland und mit Verbrennungsmotor (re.) für Europa in Mexiko bauen. Foto: Schreiber
Carrus Delta baut aber auch die 9700er mit konventionellem Antrieb für den skandinavischen Markt. Foto: Schreiber
Gemeinsam mit Carrus Delta Oy hat Volvo Buses eine langfristige Partnerschaft für die Serienfertigung von Reisebussen im Werk von Valmet Automotive in Uusikaupunki geschlossen. Foto: ValmetAutomotiveOyi
Volvo bringt den 9700 zurück nach Europa. Gleichzeitig geht der traditionsreiche finnische Karosseriebauer Carrus Delta einen Schritt weiter: Mit dem Volvo BZR Electric – CD entsteht ein vollelektrischer Reisebus, der konstruktiv eng mit der 9700-Familie verbunden ist. Hinter dem Kürzel „CD“ steckt Carrus Delta – ein Unternehmen, dessen Geschichte eng mit Volvo verbunden ist, obwohl es heute wieder eigenständig arbeitet. Volvo Buses hat Anfang Oktober 2026 die Rückkehr des Volvo 9700 auf den europäischen Markt angekündigt.
Der Reisebus ist in den Längen 12,4, 13,1 und 13,9 Meter sowie als 4×2 und 6×2 erhältlich. Für den Antrieb sorgt ein 13-Liter-Dieselmotor mit 420, 460 oder 500 PS, kombiniert mit dem 12-Gang-I-Shift-Getriebe. Eine neue Einzelradaufhängung an der Vorderachse soll gemeinsam mit der Volvo Dynamic Steering für mehr Komfort und Fahrstabilität sorgen. Gebaut wird der neue 9700 in Tultitlán in Mexiko; die ersten Kundenauslieferungen in Europa sind für Ende 2026 vorgesehen. Parallel zur Rückkehr des 9700 baut Volvo das Angebot im Reisebusbereich elektrisch aus.
Dafür steht der Volvo BZR Electric – CD. Die Bezeichnung ist dabei Programm: Das dreiachsige Elektrofahrzeug basiert auf dem neuen Volvo-BZR-Electric-Fahrgestell und erhält seinen Aufbau von Carrus Delta. Volvo bezeichnet den BZR Electric – CD ausdrücklich als vollständigen Elektro-Reisebus mit Hochboden und Carrus-Delta-Karosserie. Der Zusammenhang mit dem 9700 ist nicht nur optischer Natur. Volvo nennt bei der technischen Beschreibung des BZR Electric – CD ausdrücklich die Teilegleichheit mit den Reisebussen der 9700-Baureihe, die den Wartungsaufwand reduzieren soll.
Der Aufbau selbst besteht unter anderem aus einer Edelstahlstruktur und Edelstahl-Seitenbeplankung. Damit setzt Carrus Delta auf eine Bauweise, die das Unternehmen seit Jahrzehnten bei seinen Reisebusaufbauten verwendet. Der BZR Electric – CD ist derzeit in drei Längen erhältlich: 13,29, 13,99 und 14,92 Meter. Die Fahrzeughöhe beträgt jeweils rund 3,61 Meter, die Breite 2,55 Meter. Je nach Ausführung sind bis zu 57 beziehungsweise 67 Fahrgastplätze möglich. Für den Antrieb kommt Volvos EPT802 mit zwei Elektromotoren zum Einsatz.
Die maximale Leistung liegt bei 2 x 200 kW, die kontinuierliche Leistung wird mit 334 kW angegeben. Gespeichert wird die Energie in fünf bis acht Batteriepaketen mit jeweils 90 kWh – damit sind insgesamt 450, 540, 630 oder 720 kWh möglich. Geladen wird über CCS mit bis zu 250 kW. Der BZR Electric – CD ist nicht einfach ein elektrisch angetriebener 9700. Vielmehr kombiniert er Volvos neue elektrische Reisebusplattform mit der Karosserie- und Aufbaukompetenz von Carrus Delta. Dass hinter dem Kürzel „CD“ mehr als nur ein Aufbauhersteller steckt, zeigt ein Blick in die Geschichte.
Die Wurzeln von Carrus Delta reichen bis 1935 zurück. Damals wurde in Turku die Autokori Oy gegründet, die sich auf den Bau von Buskarosserien spezialisierte. 1973 verlagerte das Unternehmen seine Aktivitäten nach Lieto; gleichzeitig entstand dort die Gesellschaft Oy Delta Plan Ab. 1982 übernahm Ajokki Oy Delta Plan sowie weitere Karosseriebauer. Vier Jahre später kaufte Ilmari Mustonen, der Eigentümer des finnischen Buskarosserieherstellers Wiima, die Ajokki-Gruppe. 1989 erhielt die Unternehmensgruppe schließlich den Namen Carrus Oy. Das Werk in Lieto wurde zu Carrus Oy Delta.
Der nächste große Einschnitt folgte 1997. Am 30. Oktober 1997 verkaufte Ilmari Mustonen das operative Geschäft von Carrus an Volvo Bussar AB. Mitte Januar 1998 wurde Carrus schließlich zur Volvo-Tochter. Volvo gewann damit nicht nur Produktionskapazitäten, sondern auch jahrzehntelang gewachsenes finnisches Know-how im Bau von Reise- und Linienbuskarosserien. Im Juni 2004 wurde Carrus Oy in Volvo Bus Finland Oy umbenannt. Das Werk in Lieto firmierte als Volvo Bus Finland Oy Turku Factory. Allein 2004 entstanden dort 185 Busse.
Die Verbindung zu Volvo endete jedoch nicht mit der Aufgabe des Standorts. 2008 wechselte das Geschäft des Werks in Lieto zurück in finnische Hände. Eine Gruppe finnischer Investoren und Volvo-Bus-Manager übernahm die Aktivitäten von Volvo Bus Finland Oy. Das Unternehmen erhielt wieder den traditionsreichen Namen Carrus Delta Oy. Damit war Carrus Delta wieder ein eigenständiger Hersteller – die Zusammenarbeit mit Volvo blieb jedoch bestehen. Heute beschreibt sich Carrus Delta als Buskarosseriehersteller mit Sitz in Lieto und als Partner von Volvo Buses.
Das Volvo-Vertriebs- und Servicenetz übernimmt dabei Verkauf und After-Sales. 2022 wechselte die Eigentümerschaft erneut: Führungskräfte, die bereits im Unternehmen tätig waren, übernahmen sämtliche Aktien von Carrus Delta. Das Unternehmen blieb damit in finnischer Hand. Die Geschichte des Volvo 9700 ist eng mit dieser Entwicklung verbunden. Carrus Delta bietet den 9700 weiterhin in den Aufbauhöhen S, H und HD an. Je nach Einsatzzweck kann das Fahrzeug auf Volvo-B8R- oder B11R-Fahrgestellen aufgebaut werden; Carrus Delta nennt für seine 9700-Aufbauten einen Längenbereich von 10,7 bis 15 Meter.
Während der neue, für Europa angekündigte Volvo 9700 heute in Mexiko produziert wird, bleibt Carrus Delta im Geschäft und beliefert die skandinavische Kunden mit 9700er Fahrzeugen. Und Carrus Delta bleibt somit ein wichtiger Bestandteil der europäischen Volvo-Reisebusstrategie. Besonders deutlich wird das beim BZR Electric – CD: Hier liefert Volvo das elektrische Fahrgestell und den Antriebsstrang, während Carrus Delta den Reisebusaufbau beisteuert. Für die wachsende Zusammenarbeit kommt seit 2026 ein weiterer finnischer Produktionsstandort hinzu.
Valmet Automotive und Carrus Delta haben im April eine langfristige Vereinbarung über die Serienproduktion von Reisebusaufbauten geschlossen. Produziert wird im Valmet-Werk in Uusikaupunki. Im September 2026 meldete Valmet Automotive den Start der Busproduktion. Die Fertigung umfasst einstöckige Reisebusse mit Diesel- und vollelektrischem Antrieb. Valmet Automotive übernimmt dabei Karosseriebau, Lackierung und Endmontage. Die Produktion wird in die Prozesse von Carrus Delta integriert und soll zunächst bis Ende 2026 hochlaufen, bevor sie 2027 weiter ausgebaut wird.
Damit entsteht in Finnland eine bemerkenswerte Konstellation: Volvo Buses, Carrus Delta und Valmet Automotive arbeiten gemeinsam an der nächsten Generation von Reisebussen, während Carrus Delta als unabhängiger finnischer Karosseriehersteller seine jahrzehntelange Verbindung zu Volvo fortführt. Der Volvo BZR Electric – CD steht damit exemplarisch für diese Entwicklung: finnische Karosseriebautradition trifft auf Volvos neue Elektroplattform – und die Gene des 9700 fahren dabei elektrisch in die Zukunft. (VolvoBuses/CarrusDelta/Valmet/omnibus.news/Sr)
Carrus Delta baut Omnibusse nach Kundenwunsch – individuelle Längen und Sonerausstattungen sowie Einbauten sind in der 9700er Produktion gelebter Alltag. Foto: Schreiber
Mit einem – zunächt speziell nur für den nordeuropäischen Markt konzipierten – Volvo 9700 DD stiegen die Schweden in das Segment der Doppeldecker im Jahr 2020 ein. Gebaut wird er bei Carrus Delta. Foto: Schreiber
Die Produktionskapazitäten bei Carrus Delta sind begrenzt, jetzt kooperieren die Finnen beim Bau der Omnibusse mit Valmet Automotive. Foto: Carrus Delta
Der Beitrag Volvo, Carrus & Valmet erschien zuerst auf omnibus.news.
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