„Unser neues elektrisches Fahrgestell bietet mehr als nur eine größere Reichweite. Es ermöglicht neue Strecken und bietet Betreibern mehr Flexibilität“, sagt Anna Westerberg, Präsidentin von Volvo Buses. Foto: VolvoBuses
Volvo Buses hatte sich entschieden, die Produktion von Komplettbussen in Europa einzustellen und stattdessen mit externen Aufbauherstellern zusammenzuarbeiten. MCV aus Ägypten ist dabei als exklusiver Partner für die Produktion von E-Bussen für die Linie und Überland in Europa ausgewählt worden. Foto: Volvo Buses
Volvo Buses beendet die Produktion von eigenen Komplettbussen für Europa und schließt die Produktion in Breslau zum 1. Quartal 2024. Foto: Volvo Buses, Montage: omnibus.news
Volvo Buses liefert zusammen mit Gauteng Bus & Coach Centre (GBCC) die ersten in Südafrika aufgebauten Elektrobusse für Lapstadt. Foto: Volvo Buses
Domenico Bondi (Volvo Buses) und Eloy Pérez (Unvi) haben für den Markt in Großbritannien und Irland zusammen einen neuen Reisebus auf die Räder gestellt. Foto: Volvo Buses; Montage: omnibus.news
Volvo Buses hat in nur fünf Jahren seine Profitabilität deutlich gesteigert: Die bereinigte operative Marge kletterte von 0,4 Prozent im Jahr 2021 auf 9,1 Prozent in den Jahren 2024 und 2025. Der entscheidende Schritt auf diesem Weg war die Schließung der europäischen Komplettbusfertigung im polnischen Breslau und der damit verbundene Wechsel zu einem neuen Geschäftsmodell. Die Schweden konzentrieren sich seither auf Fahrgestelle, Antriebe und technische Systeme. Die Karosserien entstehen bei ausgewählten Partnern.
Was in Europa zunächst wie ein radikaler Einschnitt wirkte, ist für Volvo Buses grundsätzlich kein neues Konzept: Auf verschiedenen Märkten außerhalb Europas arbeitet das Unternehmen bereits seit Jahren erfolgreich mit diesem Modell. Die Umstrukturierung hatte allerdings ihren Preis. Vor allem in Europa verlor Volvo Buses während der rund zweijährigen Transformationsphase Marktanteile. Jetzt folgt die zweite Stufe der Transformation: Gemeinsam mit Partnern wie Carrus, Marcopolo, MCV und Valmet Automotive will Volvo Buses seine Marktposition in den Segmenten Stadt-, Überland- und Reisebusse wieder ausbauen.
Dass die Nachfrage vorhanden ist, zeigt sich unter anderem in Finnland. Dort werden die Produktionskapazitäten für die 9700er-Baureihe aktuell wieder hochgefahren. Noch erreichen sie allerdings nicht die Dimensionen der früheren europäischen Komplettbusproduktion in den eigenen Werken. Als Anna Westerberg 2021 die Leitung von Volvo Buses übernahm, befand sich das Busgeschäft mitten in einer der schwierigsten Phasen seiner Geschichte. Die Corona-Pandemie hatte insbesondere den Reisebusmarkt getroffen, gleichzeitig waren die Neufahrzeugvolumina rückläufig.
2020 lag die bereinigte operative Marge deshalb bei minus 3,1 Prozent. Bereits 2021 wurde wieder ein positives Ergebnis erzielt. Mit 59 Millionen SEK bei einem Umsatz von 13,65 Milliarden SEK lag die bereinigte operative Marge allerdings noch bei lediglich 0,4 Prozent. Die Entwicklung danach war bemerkenswert: 2022 erreichte die Marge 1,9 Prozent, 2023 bereits 4,7 Prozent. 2024 schließlich gelang mit 9,1 Prozent der große Sprung. Auch 2025 blieb die bereinigte operative Marge auf diesem Niveau. Mit einem bereinigten operativen Ergebnis von 2,27 Milliarden SEK bei einem Umsatz von rund 25 Milliarden SEK erzielte Volvo Buses 2025 das höchste Ergebnis in der Geschichte des Unternehmens.
Die Transformation ist damit finanziell gelungen. Auch wenn die Zahl der ausgelieferten Busse zurückging, legte der Umsatz – bereinigt um Währungseffekte – zu. Nach Angaben von Volvo Buses konnten gestiegene Produktions- und Zollkosten durch höhere Preise und einen vorteilhaften Produktmix ausgeglichen werden. Für Anna Westerberg ist die Verbesserung der Profitabilität nicht Selbstzweck. Sie bildet vielmehr die Grundlage dafür, dass Volvo Buses langfristig wettbewerbsfähig bleiben und das legendäre Iron Mark weiterhin Omnibusse zieren kann.
Mit dem global bereits erprobten und für Europa neuen Geschäftsmodell hat Volvo Buses seine Kostenstruktur verändert. An die Stelle der eigenen Komplettbusproduktion tritt ein internationales Netzwerk von Partnern. MCV in Ägypten, Carrus beziehungsweise Valmet Automotive in Finnland und Marcopolo in Südamerika beziehungsweise für den europäischen Markt sind Beispiele für diese neue Struktur. Dabei wird die Strategie zunehmend konkret. MCV produziert Volvo-Fahrzeuge für verschiedene Märkte und mit dem Paradiso G8 von Marcopolo ist seit der FIAA in Madrid ein weiterer Reisebus im europäischen Markt sichtbar, der auf einem Fahrgestell von Volvo Buses basiert.
Die finanzielle Sanierung ist damit weitgehend geschafft. Die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre liegt nun darin, die während der Transformation verlorenen Marktanteile und Absatzvolumina zurückzugewinnen. Dass die Marke Volvo Buses bei den Kunden weiterhin präsent ist, zeigt sich nicht zuletzt in Skandinavien. Dort steigt die Nachfrage nach der 9700er-Baureihe, sodass die Produktionskapazitäten entsprechend angepasst werden. Auch in Europa nimmt Volvo Buses wieder stärker Gestalt an – allerdings nicht mehr mit eigenen Komplettbuswerken, sondern mit einem Partnernetzwerk.
Die Präsenz auf der FIAA und der Auftritt des Marcopolo Paradiso G8 auf Volvo-Chassis haben diese Entwicklung sichtbar gemacht. Volvo Buses hat damit einen grundlegenden Strukturwandel vollzogen: Weg von der eigenen europäischen Komplettbusproduktion, hin zu einem globalen Netzwerk aus Fahrgestell-, Technologie- und Aufbaupartnern. Die entscheidende Frage für die kommenden Jahre lautet nun: Kann Volvo Buses mit dieser neuen Struktur nicht nur profitabel bleiben, sondern auch die in der Transformationsphase verlorenen Absatzvolumina und Marktanteile in Europa wieder zurückgewinnen? (VolvoBuses/omnibus.news/PM/Sr)
Der Beitrag Volvo Buses Transformation erschien zuerst auf omnibus.news.
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