Scanias Bushistorie

Scania hat den Omnibusbau über mehr als ein Jahrhundert mitgeprägt. Foto: Scania; Montage: omnibus.news

Die Omnibusgeschichte von Scania begann 1911. In diesem Jahr lieferten Scania und Vabis, die am 18. März zur AB Scania-Vabis fusioniert hatten, den sogenannten Nordmark-Bus aus. Foto: Scania

Scania Vabis 1. Bulldog. Foto: Scania

Vom ersten schwedischen Motoromnibus über Elektro- und Ethanolbusse bis zur neuen E-Bus-Plattform: Scania hat den Omnibusbau über mehr als ein Jahrhundert mitgeprägt. Heute konzentriert sich das Unternehmen stärker auf Fahrgestelle, Antriebstechnik und die Zusammenarbeit mit Aufbauherstellern. Die Omnibusgeschichte von Scania begann 1911. In diesem Jahr lieferten Scania und Vabis, die am 18. März zur AB Scania-Vabis fusioniert hatten, den sogenannten Nordmark-Bus aus. Er gilt als erster vollständig in Schweden gebauter Omnibus mit Verbrennungsmotor. Scania fertigte in Malmö das Fahrgestell mit Kettenantrieb, Vabis aus Södertälje steuerte Motor und Karosserie bei.
Betreiber war Nordmarkens Automobiltrafik, der den Bus auf der Strecke Åmot–Årjäng im Westen Schwedens einsetzte. Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren brachte ein Großauftrag der Stockholmer Verkehrsbetriebe neuen Schwung. Zwischen 1923 und 1929 baute Scania-Vabis rund 350 Busse. Für abgelegene Regionen Nordschwedens entstanden spezielle Postbusse, die mit Kettenlaufwerken und vorderen Schneekufen für den Wintereinsatz gerüstet waren. 1932 präsentierte das Unternehmen einen Bus mit Frontlenkerkonzept. Motor und Fahrerplatz lagen im vorderen Fahrzeugbereich. Das ermöglichte bei kurzem Radstand einen großen Fahrgastraum und einen kleinen Wendekreis.

Frühe Elektromobilität und internationale Expansion

In den 1930er-Jahren produzierte Scania-Vabis zeitweise mehr Busse als Lastwagen – der Omnibusbau war damit ein wichtiger Teil des Unternehmensgeschäfts. Bereits 1940 lieferte Scania-Vabis einen Elektrobus des Typs T31 nach Stockholm. Bis 1951 folgten mehr als 120 Busfahrgestelle für den dortigen Verkehrsbetrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg expandierte das Unternehmen zunächst in den nordischen Ländern, später auch in Kontinentaleuropa und Brasilien. In den 1950er- und 1960er-Jahren orientierten sich Modelle wie Metropol und Capitol teilweise an US-amerikanischen Buskonzepten. 1957 gründete Scania-Vabis eine Tochtergesellschaft in Brasilien, 1964 eröffnete ein Montagewerk im niederländischen Zwolle.

Scania Vabis CR76. Foto: Scania

Scania Vabis B75. Foto: Scania

1969 fusionierte Scania-Vabis mit dem schwedischen Automobil- und Flugzeughersteller Saab zu Saab-Scania. Zwei Jahre später machte der CR111 als besonders leiser Stadtbus auf sich aufmerksam. 1982 führte Scania das K-Fahrgestell mit Heckmotor ein, das zur Basis für zahlreiche Linien- und Reisebusaufbauten wurde. Das Baukastensystem ermöglichte es, technische Komponenten und Fahrgestelle für unterschiedliche Einsatzzwecke zu kombinieren. Auch bei den Antrieben setzte Scania früh auf Alternativen zum klassischen Diesel. 1989 entstanden die ersten Ethanolbusse, 1994 wurden die ersten gasbetriebenen Fahrzeuge kommerziell ausgeliefert. Damit sammelte das Unternehmen schon früh Erfahrungen mit alternativen Kraftstoffen.

Neue Busgenerationen und elektrische Zukunft

2006 führte Scania eine neue Busgeneration ein, 2011 folgte die Baureihe Citywide für den Stadt- und Überlandverkehr. Neben der Weiterentwicklung konventioneller Antriebe arbeitete das Unternehmen an Hybridlösungen. 2019 zeigte Scania mit dem Konzeptfahrzeug NXT eine Vision für den elektrischen Stadtverkehr. 2023 präsentierte das Unternehmen eine neue batterieelektrische Busplattform. Dazu gehörten Low-Entry-Busse mit einer Batteriekapazität von bis zu 520 kWh. Unter optimalen Bedingungen gab Scania eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern an. Im selben Jahr kündigte der Hersteller eine strategische Neuausrichtung seines Busgeschäfts an. Scania beendete die Karosserieproduktion für Scania-Fahrgestelle im polnischen Słupsk und stellte die Produktion der Baureihen Citywide und Interlink sowie der Niederflurfahrgestelle ein. Fahrgestelle mit Front- und Heckmotor blieben im Angebot. Komplett- und Reisebusse sollten weiterhin angeboten werden, verstärkt in Zusammenarbeit mit Aufbaupartnern.

So sieht Scania hat die Zukunft des Stadtbusses: 12m, elektrisch und autonom. Foto: Böhnke

Loungeartige Sitzgruppen statt klassischer Einzelsitze im Zukunftsbus PXT4 von Scania. Foto: Böhnke

Fahrgestelle und Antriebe im Mittelpunkt

Scania hat sich über die Jahrzehnte vom frühen Omnibusbauer zu einem internationalen Nutzfahrzeughersteller entwickelt, dessen Busgeschäft stark auf Fahrgestelle und Antriebstechnik ausgerichtet ist. Das modulare Prinzip bleibt dabei zentral: Gemeinsame technische Komponenten und unterschiedliche Fahrgestellkonfigurationen ermöglichen den Einsatz in Stadt-, Überland- und Reisebussen. Während Scania Antrieb, Fahrwerk und technische Plattform bereitstellt, übernehmen Partner die jeweiligen Aufbauten. Die Neuausrichtung von 2023 markiert damit einen strukturellen Wandel, aber nicht das Ende des Busgeschäfts. Die Entwicklung elektrischer Plattformen und die Kooperation mit Aufbauherstellern zeigen, worauf Scania künftig setzt. (Scania/omnibus.news/Sr)

Ingrid Nilsson verantwortet die äußere und innere Gestaltung der Omnibusse von Scania und setzt dabei auf Teamwork. Foto: Schreiber

Scania hat die neue Generation des in China bei Higer gebauten Touring vorgestellt. Foto: Scania

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