Mit dem Pegaso 6035-A von 1966 fehlt auch der erste Gelenkbus Madrids nicht in der Sammlung des Museums. Foto: Schreiber
1964 zeigte Pegaso den Prototyp des 6035A, eines 18 Meter langen Gelenkbusses. Foto: Schreiber
Die Gelenkbusse boten Platz für 110 Fahrgäste, davon 36 Sitzplätze. Damit konnte die EMT auf stark belasteten Linien deutlich mehr Fahrgäste mit einem Fahrzeug befördern. Foto: Schreiber+
Eine Besonderheit war die halbautomatische Kraftübertragung mit hydraulischer Kupplung und elektropneumatischer Gangschaltung. Foto: Schreiber
Pegaso war keine eigenständige Busfirma im heutigen Sinn, sondern die Fahrzeugmarke der staatlichen spanischen ENASA (Empresa Nacional de Autocamiones S.A.). ENASA wurde 1946 gegründet, 1947 trat die Marke Pegaso mit dem geflügelten Pferd als Markenzeichen auf. Für den spanischen Busbau war Pegaso vor allem von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre prägend. 1955 nahm ENASA das große Werk in Barajas bei Madrid in Betrieb. Damit verlagerte sich die Produktion zunehmend von Barcelona in die spanische Hauptstadt.
Pegaso entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem der wichtigsten spanischen Nutzfahrzeug- und Bushersteller. Der Pegaso 6035 wurde zu einem der erfolgreichsten Busmodelle der Marke. 1964 zeigte Pegaso den Prototyp des 6035A, eines 18 Meter langen Gelenkbusses. Für die Serienproduktion musste das Fahrzeug wegen der damaligen spanischen gesetzlichen Längenbegrenzung auf 16,5 Meter verkürzt werden. Auch die Zahl der Türen wurde von vier auf drei reduziert, die Front überarbeitet. Die EMT Madrid bestellte schließlich 190 Exemplare.
Die Fahrzeuge erhielten die Wagennummern 2001 bis 2190 und gingen ab dem 29. April 1966 in den regulären Einsatz. Die Gelenkbusse boten Platz für 110 Fahrgäste, davon 36 Sitzplätze. Damit konnte die EMT auf stark belasteten Linien deutlich mehr Fahrgäste mit einem Fahrzeug befördern. Der 6035-A war damit nicht einfach ein weiterer Pegaso, sondern der erste Gelenkbus der EMT Madrid. In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren hatten Leyland-Doppeldecker und andere Fahrzeuge mit hoher Kapazität das Madrider Stadtbild geprägt.
Gleichzeitig wuchs die Stadt. Die EMT suchte deshalb nach einer Möglichkeit, die Beförderungskapazität zu erhöhen, ohne weiterhin auf Doppeldecker setzen zu müssen. Der 6035-A bestand aus zwei durch ein Gelenk verbundenen Wagenkästen. Wegen der charakteristischen Bewegung des Gelenks wurden die Fahrzeuge im damaligen Sprachgebrauch auch als „orugas“ – Raupen bezeichnet. Die Fahrzeuge waren nicht auf eine einzelne Strecke beschränkt. Sie kamen auf zahlreichen stark belasteten Linien zum Einsatz. Einige dieser Linien führten später auch über die ersten Busspuren Madrids, unter anderem am Paseo de la Castellana.
Der 6035-A wurde damit zu einem festen Bestandteil des Madrider Alltagsverkehrs. Bemerkenswert ist die lange Einsatzzeit. Die 190 Gelenkbusse blieben von 1966 bis 1983 im Dienst. Erst am 1. Januar 1983 endete der Einsatz des letzten 6035-A bei der EMT. Danach verschwand der Gelenkbus zunächst wieder aus dem Madrider Fuhrpark. Erst 1991 kehrte die Bauart mit dem Pegaso 6425-A zurück. Von diesem Modell beschaffte die EMT 73 Fahrzeuge. Damit steht der 6035-A für einen wichtigen Entwicklungsschritt des Madrider Stadtverkehrs:
Mit ihm begann bei der EMT das Zeitalter des Gelenkbusses – allerdings zunächst nur für eine Generation. Erst fast drei Jahrzehnte nach dem ersten 6035-A wurde das Konzept dauerhaft wieder aufgenommen. Auch technisch gehörte der 6035 zur damals modernen Generation von Pegaso-Stadtbussen. Eine Besonderheit war die halbautomatische Kraftübertragung mit hydraulischer Kupplung und elektropneumatischer Gangschaltung. Der 6035-A war damit nicht lediglich ein „verlängerter“ Standardbus, sondern verband die höhere Beförderungskapazität des Gelenkprinzips mit zeitgemäßer Antriebstechnik.
In den 1970er-Jahren war Pegaso längst nicht mehr nur ein Hersteller einzelner Busmodelle. ENASA belieferte zahlreiche spanische Städte und Verkehrsbetriebe. Ein wichtiger Schritt war die Übernahme von SAVA; 1968 wurde das Unternehmen vollständig in ENASA integriert. Damit konnte Pegaso sein Angebot insbesondere bei leichten und mittleren Nutzfahrzeugen erweitern. Bei den Bussen entwickelte Pegaso unterschiedliche Konzepte – vom Fahrgestell für Aufbauhersteller bis zu kompletten Stadt- und Überlandbussen.
Für Madrid war der Pegaso 6038 vielleicht sogar noch bedeutender als der 6035. Der 6038 kombinierte die Mechanik des 6035 mit einer vom 6050 abgeleiteten Karosserie. ENASA produzierte zwischen 1980 und 1986 rund 2.500 Exemplare. Die EMT Madrid kaufte davon 884 Fahrzeuge – mehr als ein Drittel der Gesamtproduktion. Mitte der 1980er-Jahre machten die 6038 bei der EMT etwa 54 Prozent der gesamten Flotte aus. Damit wird verständlich, warum Pegaso in Madrid bis heute so präsent ist: Wer in den 1980er-Jahren durch Madrid fuhr, sah nicht gelegentlich einen Pegaso – Pegaso prägte Madrid.
Ende der 1980er-Jahre geriet ENASA zunehmend unter wirtschaftlichen und internationalen Wettbewerbsdruck. 1990 wurde das Unternehmen schließlich von Iveco übernommen. Damit verschwand Pegaso allerdings nicht sofort. Eine Übergangsphase folgte, in der Pegaso-Produkte und Iveco-Technik nebeneinander beziehungsweise weiterhin unter der Marke Pegaso angeboten wurden. 1994 verließ nach Angaben von Iveco der letzte Pegaso Troner das Werk. Iveco versteht sich heute ausdrücklich als Erbe der Pegaso-Geschichte.
Zum 75-jährigen Pegaso-Jubiläum 2021 verwies das Unternehmen darauf, dass das heutige Iveco-Werk in Madrid auf die 1955 eröffnete Pegaso-Fabrik zurückgeht. Auch das Werk Valladolid, das ursprünglich mit SAVA verbunden war, gehört heute zum Iveco-Produktionsverbund. Damit ist die Pegaso-Geschichte für die FIAA 2026 durchaus mehr als ein Blick zurück. Wenn heute Daimler Buses, Scania, Iveco, Higer oder Irizar in Madrid um Kunden und Aufträge konkurrieren, geschieht dies auf einem Markt, dessen industrielle Tradition wesentlich von Pegaso und ENASA geprägt wurde.
Pegaso war dabei weit mehr als eine spanische Fahrzeugmarke. Das Unternehmen war Teil der spanischen Industriepolitik, entwickelte eigene Motoren und Fahrgestelle und schuf mit Fahrzeugen wie dem 6035, dem 6035-A und dem 6038 eine eigenständige spanische Buskultur. Die EMT bewahrt diese Geschichte heute im Museo EMT Madrid. Der Pegaso 6035-A von 1966 wird dort ausdrücklich als erster Gelenkbus Madrids präsentiert. Er steht gemeinsam mit weiteren Fahrzeugen, die wichtige Entwicklungsschritte des Madrider Busverkehrs dokumentieren – vom Guy Arab und Leyland Titan über Pegaso 6050 und 6038 bis zu Bussen mit Erdgas-, Niederflur-, Hybrid- und Elektroantrieb.
Eine kleine Besonderheit gibt es beim Museumsfahrzeug: Der heute erhaltene 6035-A trägt die Wagennummer 2191 – und damit genau die Nummer, die auf den letzten EMT-6035-A mit der Nummer 2190 folgte. Das Fahrzeug gehörte ursprünglich allerdings nicht zur EMT-Flotte. Es war bis 2007 auf dem Campus der Universidad Autónoma de Barcelona im Einsatz. Anschließend übernahm die EMT den Bus, restaurierte ihn und machte ihn zum Erinnerungsstück an den Beginn des Madrider Gelenkbuszeitalters. Der Pegaso 6035-A steht damit für einen grundlegenden Wandel in der Flottenstrategie der EMT.
Vom Doppeldecker zum Gelenkbus, von der Kapazitätserhöhung durch eine zweite Ebene zur Kapazitätserhöhung durch Fahrzeuglänge. Fast 60 Jahre später ist der Gelenkbus aus Madrid nicht mehr wegzudenken. (EMT/omnibus.news/Sr)
Der Beitrag FIAA: Pegaso-Oldtimer erschien zuerst auf omnibus.news.
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