Higer präsentierte sich auf der FIAA 2026 als Anbieter eines zunehmend vollständigen Produkt- und Serviceangebots für den europäischen Markt. Foto: omnibus.news
Jeff Lee, Chefingenieur der V-Serie, bietet für die neue V-Serie neben einem Elektroantrieb auch einen Dieselantrieb – weil es der Markt verlangt. Foto: omnibus.news
Der neue Higer V13 wurde als 13 Meter langer Diesel-Reisebus vorgestellt. Foto: omnibus.news
Im Heck werkelt ein 490 PS starker Cummins-Motor. Foto: omnibus.news
Blick in den Fahrgastraum der V-Serie. Foto: omnibus.news
Der Fahrerarbeitsplatz ist beim E- und Dieselantrieb nahezu identisch. Foto: omnibus.news
Spaniens Busbranche elektrifiziert sich – aber nicht auf einen Schlag. Das hat auch Higer erkannt und seinen Messeauftritt auf der FIAA 2026 entsprechend gestaltet: nicht nur als chinesischer Hersteller von Elektrobussen, sondern als Anbieter eines zunehmend vollständigen Produkt- und Serviceangebots für den europäischen Markt. Higer zeigte in Madrid vier Fahrzeuge. Neben Elektrobussen war mit dem neuen V13 auch ein 13 Meter langer Diesel-Reisebus zu sehen. Der Hochdecker bietet 59 Sitzplätze, 13,5 m³ Gepäckraum und wird von einem 490 PS starken Cummins-Motor angetrieben.
Ein Aggregat aus der Partnerschaft mit Scania kommt beim V13 nicht zum Einsatz. Die Kooperation mit den Schweden besteht weiter, ist heute aber anders organisiert und positioniert als noch vor 10 bis 15 Jahren. Die Zusammenarbeit begann 2004 mit dem Ziel, Higer beim Aufbau eines internationalen Premiumbusgeschäfts zu unterstützen. Scania brachte vor allem Fahrgestell, Antriebstechnik und Kenntnisse der internationalen Kundenanforderungen ein, Higer seine Kompetenz im Karosseriebau. 2016 wurde in Suzhou eine eigene Produktionsstätte für Scania-Higer-Fahrzeuge aufgebaut.
Mit dem 2021 vorgestellten Fencer wurde die Zusammenarbeit nach den Reisebussen der Touring-Baureihe deutlich enger. Scania beschreibt den Fencer als gemeinsam entwickelten und produzierten Bus. Chassisstruktur, Antriebsstrang und Karosserie wurden gemeinsam entwickelt und getestet; gefertigt wird in den Scania-Buslinien im chinesischen Suzhou. In Madrid waren mit Jeff Lee, Chefingenieur der V-Serie, und Wave Xiao, Chefingenieur der Fencer-Baureihe, zwei wichtige Ansprechpartner vor Ort. Sie informierten über die Produkte und die Strategie von Higer für den europäischen Markt.
Dass der chinesische Bushersteller inzwischen durchaus eigene Wege geht, zeigte sich in Madrid mit dem Fencer F6 Integral EV. Der 13 Meter lange Elektrobus der Klasse II für den interurbanen Verkehr ist Teil der breit aufgestellten Fencer-Familie, wie Xiao erläuterte. Für den F6 nannte er eine Reichweite von mehr als 400 km und eine Kapazität von 53 Fahrgästen. Der Fencer F6 Integral EV zielt damit auf einen Bereich, der derzeit auch in Spanien an Bedeutung gewinnt: den interurbanen Verkehr. Batterie-Vorkonditionierung während des Ladevorgangs, eine integrierte Hochvoltarchitektur und ADAS-Fahrerassistenzsysteme sollen das Fahrzeug für den Einsatz im Regionalverkehr geeignet machen.
Gerade bei Ausschreibungen spielen Reichweite, Ladezeiten, Betriebssicherheit und Betriebskosten eine zunehmende Rolle. Higer will mehr als nur Busse verkaufen. Elektrobusse sollen mit Ladeinfrastruktur, Energielösungen und After-Sales-Service verbunden werden, erklärte Jeff Lee gegenüber omnibus.news. Dabei setzt Higer in Spanien auf REMO. Das Unternehmen ist kein klassischer Busimporteur, sondern Teil der portugiesischen Unternehmensgruppe Mota-Engil, die unter anderem im Mobilitäts- und Elektrifizierungsgeschäft aktiv ist. REMO übernimmt in Spanien den Vertrieb der elektrischen Higer-Busse.
Higer und REMO verfolgen dabei den Ansatz einer „integralen“ Mobilitätslösung. Dazu gehören Beratung, Fahrzeugkonfiguration, Ladeinfrastruktur, Anpassung der Betriebshöfe, Energieversorgung – einschließlich Photovoltaik – und Service. Bei der Elektrifizierung sei nicht allein das Fahrzeug entscheidend, sondern das Zusammenspiel von Fahrzeug, Ladeinfrastruktur, Energieversorgung und Betrieb, so die Argumentation. Damit trifft Higer einen Trend, der auf der FIAA 2026 insgesamt zu beobachten war: Hersteller entwickeln sich vom reinen Fahrzeugproduzenten zum Anbieter integrierter Plattformen, Dienstleistungen und schlüsselfertiger Lösungen.
Weil es in Spanien nach wie vor einen Markt für dieselbetriebene Reisebusse gibt, hat Higer mit Mobility Bus einen weiteren Partner an Bord geholt. Mobility Bus vertreibt die chinesischen Diesel-Reisebusse in Spanien. Ende 2025 schlossen beide Unternehmen eine landesweite Vertriebsvereinbarung, zunächst für den V10. Auf der FIAA zeigte Higer nun den V13. Nach dem Verkaufserfolg des V10 folgt damit – ganz kundenorientiert – die nächste Fahrzeuggröße. Ergänzt wurde das Programm durch den Azure 9, einen 9 Meter langen Niederflur-Elektrobus.
Der Azure 9 verfügt über eine 268-kWh-Batterie, eine Einzelradaufhängung an der Vorderachse und ECAS mit Kneeling-Funktion. Über CAN-Bus und T-Box können Fahrzeugdaten cloudbasiert überwacht werden. Higer betont dabei europäische Komponenten sowie die Anpassung von Hardware und Software an die Anforderungen europäischer Betreiber. Mit dem Fencer F1 Integral EV Chassis versucht Higer zudem, ein europataugliches elektrisches Bus-Chassis als Plattformprodukt zu etablieren. Das F1-Chassis soll unterschiedliche Konfigurationen für den Stadt- und Regionalverkehr ermöglichen.
Die Plattform basiert auf Higers selbst entwickeltem G4-Modulchassis. Batterie, Elektromotor und Leistungselektronik sind hochintegriert und auf einem gegen Korrosion geschützten Rahmen aufgebaut, der zweistufig mittels Elektrophorese und Pulverbeschichtung behandelt wird. Beim Fahrwerk kommen europäische Komponenten zum Einsatz, darunter ZF-Scheibenachsen mit Luftfederung sowie WABCO EBS und ESC. Auf der FIAA 2026 ging Higer bei der Integration noch einen Schritt weiter: Die F1-Plattform verbindet Chassis, elektrischen Antriebsstrang und Fahrerassistenzsysteme.
Higer spricht von selbst entwickelten 5-in-1- beziehungsweise 6-in-1-Hochvoltkomponenten, mit denen sich die Zahl der Einzelkomponenten reduzieren lässt. Damit sollen unter anderem Energieverbrauch und Wartungsaufwand sinken. Bei den Batterien bietet Higer unterschiedliche Kapazitäten an. Ursprünglich wurden für die F1-Plattform 350 und 422 kWh genannt. In Madrid sprach Higer inzwischen von mehr als 440 kWh. Für das auf der FIAA gezeigte F1-Chassis wurde eine DC-Ladeleistung von bis zu 360 kW genannt. Higer kam damit nicht mit nur einem Bus nach Spanien, sondern mit verschiedenen Antriebskonzepten, zwei Vertriebswegen und dem Anspruch, Elektrobusse künftig mit Lade-, Energie- und Serviceleistungen zu einem Komplettangebot für Betreiber zu verbinden. (Higer/omnibus.news/PM/Sr)
Higer zeigte in Madrid den Fencer F6 Integral EV. Der 13 Meter lange Elektrobus der Klasse II für den interurbanen Verkehr ist Teil der breit aufgestellten Fencer-Familie. Foto: omnibus.news
Der Higer Azure 9 ist einen 9 Meter langer Niederflur-Elektrobus, der über eine 268-kWh-Batterie, eine Einzelradaufhängung an der Vorderachse und ECAS mit Kneeling-Funktion verfügt. Foto: omnibus.news
Das F1 Integral EV basiert auf Higers selbst entwickeltem G4-Modulchassis. Batterie, Elektromotor und Leistungselektronik sind hochintegriert und auf einem gegen Korrosion geschützten Rahmen aufgebaut, der zweistufig mittels Elektrophorese und Pulverbeschichtung behandelt wird. Foto: omnibus.news
Mit dem F1 Integral EV Chassis versucht Higer zudem, ein europataugliches elektrisches Bus-Chassis als Plattformprodukt zu etablieren. Foto: omnibus.news
Higer weiß ein junges und engagiertes Team, das stolz auf die Produkte ist, hinter sich. Foto: omnibus.news
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